Hotstuff – Plätze des Widerstands – Orte des Protestes

Mit diesem kleinen Essay möchte ich euch eine kleine geographische Exkursion anbieten.

Diese geographische Exkursion fokussiert auf ein Phänomen der WENDEZEIT in unseren Tagen (24.2.2014) – die internationalen Plätze des Widerstands.

Aus geographischer (raum- und städteplanerischer) Sicht ist das Phänomen der großen Plätze schon alleine deshalb interessant, weil die Ausgestaltung großer und zentraler, städtischer Plätze gezeigt hat, dass sie immer schon als Forum dienten. Und damit ist auch schon der Begriff gefallen, der hier genauer dargestellt werden wird. Die Plätze in den im Folgenden beschriebenen Städten waren und sind Foren im klassischen Sinne, allerdings ist die Bewertung gesamtheitlich betrachtet interessanterweise von teilweise sich diametral entgegenstehenden sozialen Strömungen gekennzeichnet.
Schon die alten Griechen kannten den städtebaulichen und gesellschaftlichen Begriff der Agora. Diese lagen interessanterweise zu Beginn der Stadtbildungen in Griechenland ausserhalb der eigentlichen Siedlung und rückten dann, zumindest interpretieren es so die ArchäologInnen anhand von Ausgrabungsdatierungen, nach und nach ins Zentrum der sich neu bildenden Städte. Die Römer nannten solche zentralen Plätze ein Forum. Also Plätze, an denen Verkehrsströme zusammenliefen, Handels- und Informationsknoten entstanden und die zudem meist als Sinnbild der jeweiligen Machtstrukturen städtebildnerisch in Szene gesetzt wurden. Wie in der SÜDDEUTSCHEN (23.2.2014, Die Platzhalter von A.Rühle)  gerade berichtet wird, gibt es bei diesem Thema scheinbar eine „paradoxale  Ironie“. Aus Sicht der Capra´ischen WENDEZEIT ist das Phänomen geradezu schlüssig, denn es zeigt das von F. Capra beschriebene Umkehrphänomen, dass gerade in einer von ihm dargelegten kulturell-soziologischen Wendezeit auftreten kann und einen entsprechenden Paradigmenwechsel kennzeichnet. Und so ist die Nutzung der Plätze, die dereinst Machtstrukturen repräsentativ in Szene setzen sollten oder dieses nach wie vor tun, für nunmehr „alternative“ Machtstrukturen der Dreh- und Angelpunkt des protestierenden Widerstands gegen eben jene überholten und meist völlig korrumptiven Kleptokratien. Das ist paradigmatisch betrachtet ein Beleg dafür, dass ein Platz ein Platz ist und bleibt (welch wundersame Erkenntnis!! :-)) und er im Zuge des sozialen und politischen Paradigmenwechselns und der damit verbundenen Umkehrung eines überholten Wertesysteme dann nicht mehr das alte, pervertierte, kleptokratische System repräsentiert, sondern eine neue, revolutionierende Intention Raum fasst.

Nun aber zu den m. E. wichtigsten, die revolutionären Geschehnisse kennzeichnenden Plätzen des Protestes und des Widerstands.

Der Tiananmen-Platz in Peking, China, 1989 – blutige Niederschlagung durch das kleptokratische System in der „Volks“-republik China

Der El-Kashbah-Platz, Tunis, 2010/2011, Jasminrevolution – völlige Änderung der tunesischen Kleptokratie in eine Demokratie mit Gewaltenteilung

Der Tahrir-Platz in Kairo, Ägypten, 2011 – schwere innenpolitische Krise des Landes seitdem

Der Märtyrer-Platz in Tripolis, Lybien, 2011 – seitdem schwere innenpolitische Krise des Landes

Puerta del sol, Madrid, Spanien, 2011 bis heute – schwere innenpolitische Krise Spaniens durch den durch durch die EU, die EZB sowie den IWC verhängten Sparzwangs der spanischen Regierung, erhebliche Proteste gegen millionenschwere Bauprojekte trotz des Sparzwangs im Gesundheits- und Sozialsektor

Syntagma-Platz in Athen, Griechenland, 2013/2014 – seitdem schwere innenpolitische Zerwürfnisse wegen des durch die EU, EZB  und den IWF verordneten Sparzwangs

Praca do Comercio, Lissabon, Portugal 2013 – seitdem schwere innenpolitische Krise des Landes bedingt durch Sparverordnung der EU, der EZB und des IWC

Der Taksim-Platz, Istambul, Türkei, 2013 – schwere innenpolitische Krise des Landes; Repressionen des kleptokratischen politischen Systems gegen die freiheitlich-demokratischen Grund- und Bürgerrechte

India-Gate-Platz, Neu-Delhi, Indien, 2013/14 – schwere Proteste gegen Vergewaltigungen in Indien, repressive Maßnahmen der indischen Regierung gegen Massenproteste und Sperrung des Platzes wegen der Demonstrationen

Der Maidan-Platz in Kiew, Ukraine, 2014 – Sturz des kleptokratischen Systems und Neuwahl im Mai 2014

Diese Auswahl an besonderen städtischen Plätzen ist natürlich nur ein Ausschnitt und es gibt sicherlich noch einige sehr wichtige Plätze, auf denen große Demonstrationen gegen die politischen Machtstrukturen stattgefunden haben in naher Zzukunft noch stattfinden werden. Die großen städtischen Plätze bekommen also in den letzten Jahren eine immer größerer Bedeutung bei den Potesten gegen kleptokratische Machtstrukturen (z. B. Ägypten, China, Ukraine) , schwere innenpolitische Krisen (Vergewaltigung von Frauen in Indien) oder gegen von aussen auferlegte sog. „Sanierungsinstrumente“ neoliberaler Machart (z. B. Spanien, Griechenland, Portugal) , die ganze Länder in schwere soziale Krisen führen. Allerdings muss gerade bei letzteren etwas differenzierter betrachtet werden, denn schliesslich sind die EU- und IWF-Sanktionen Maßnahmen gegen den Staatsbankrott, der für gewöhnlich durch eine gut funktionierende Kleptokratie im jeweiligen erst initiiert wurde.