Gesellschaftlicher Paradigmenwechsel 2020 – Szenarien für eine andere demokratische Gesellschaft im beginnenden 2. Jahrtausend n. Chr. – Permakulturelles Design

5. Das permakulturelle Design

Um eine andere demokratische Gesellschaft zu etablieren, bedarf es m. E nicht nur der gesellschaftlich-politischen Selbstverwaltung. Für noch wichtiger halte ich die biologische Komponente, hier im speziellen die agroforstliche Nahrungsproduktion, um die Selbstverwaltung der Siedlungseinheiten auch hinsichtlich der Versorgungs- und Entsorgungsfunktionen selbständig zu machen. Dabei sollte bitte diese Selbständigkeit nicht als ein Kleinklein interpretiert werden, von wegen, dass viele selbständige Zellen entstehen sollten, also jeder so vor sich werkelt. Das wäre weder biologisch-ökologisch machbar, noch ist es hinsichtlich einer des wesentlichsten Komponenten aller Lebensgemeinschaften sinnvoll. Diese wesentlichste Komponente ist die Kooperation! Es gibt keine mir bekannten abgeschlossenen kleinsträumigen ökologischen Einheiten! Immer sind diese kleinen Einheiten mit größeren in Verbindung.
Insofern – wenn wir an einer anderen demokratischen Gesellschaft arbeiten wollen, dann sehe ich momentan kaum eine Alternative zu den hier vorgeschlagenen fünf wesentlichen Komponenten. Solltet Ihr, werte Leserschaft, andere bevorzugen, dann mal zu.
Ich kenne bis dato kaum eine Produktionsart für Nahrungsmittel, die sowohl den ökologischen als auch den demokratisch-gesellschaftlichen Zusammenhängen so entgegen kommt, wie die Permakultur nach Mollison u.ä.. Jede andere mir bekannte Produktionsweise devastiert über kurz oder lang die bestehenden ökologischen Mitwelten auf die eine oder andere Weise. Permakulturen im hier angesprochenen Kontext lassen im Gegensatz zu den konventionellen und an industriellen Maßstäben orientierten Landbewirtschaftungsweisen mehr zu als dass sie etwas verhindern.

Damit will ich sagen, dass permakulturelle Landbewirtschaftung nach einer arbeitsintensiven Startphase dazu führt, dass sich in immer mehr Nischen neues Leben und damit neue Optionen für Ernährung für die das System pflegenden Menschen ergeben und dass die Biomasse insgesamt gesehen exponentiell zunimmt, was ja bekanntlich eines der Oberziele der permakulturellen Bewirtschaftungsweisen darstellt.
Keine mir bekannte Landnutzungsweise kann für stationäre wie auch für nomadische Gesellschaften so eine hohe Diversität an Nahrungsmöglichkeiten generieren wie die Permakultur nach Mollison und Fukuoka und vielen, vielen anderen. Und wie schon oben beschrieben, es gibt keine mir bekannte Landnutzungsweise, die auf vergleichsweise relativ einfache Weise so viele neuen Lebensnischen erzeugt und damit dazu beiträgt, dass sich auch andere Lebewesen von diesen Systemen ernähren Und so erreichen permakulturelle Designs gleichzeitig ihr zweites Ziel, die Sicherung und Verbreitung von Artengemeinschaften ins nahe bis mittlere Umfeld, die über die Zeit gesehen von einer zunehmenden Artendiversität profitiert.
Adulte Permakulturdesigns ermöglichen zudem etwas, was dem heutigen Menschen immer mehr genommen wird – Zeit! Oder anders ausgedrückt, der Mensch hat in solchen Permakulturdesigns eher KEINE Zeit mehr, im wahrsten Sinne des Wortes. Das heisst, wir Menschen können uns soviel Zeit nehmen wie etwas dauert, denn wir können uns dank solcher Permakulturdesigns aus unserer direkten Umgebung ernähren, und das auf sehr vielfältige und damit gesunde Art und Weise. Und je älter so ein System wird, desto mehr Erträge wirft es ab und desto geringer wird der damit verbundene Arbeitsaufwand, diese Ernten einzufahren. Und damit wächst der Anteil an Zeit für „Keine-Zeit-Haben“, also für kreative und regenerative Tätigkeiten. Und ich persönlich denke, das ist etwas, was für die Entwicklung einer neue und demokratischen Gesellschaft ungemein wichtig ist, denn Zeit haben, um Zuzuhören, Verstehen zu lernen, zu Diskutieren, zu Streiten, gemeinsam sich wieder durch gemeinschaftsorientierte Rituale und Feste zu versöhnen bildet die Grundlage für eine vielleicht friedfertigere Gesellschaft als die, die momentan dank der Waffen-, Chemie-, Energie-, oder einfacher gesagt, der Industrielobby mit ihrem vermaledeiten und alle Gemeinschaften aushöhlenden Wachstumswahn protegiert wird. Es ist nicht der Idealismus, der mich zu wolchen Worten bringt, sondern es ist die Vernunft. Eine Vernunft, die mir sagt, dass eine lebenswerte, weil zukunftssichernde und nachhaltige Lebensgemeinschaft, nur funktionieren kann, wenn wir erkennen, wo unsere Grenzen sind und wenn wir willentlich lebensvernichtende Abläufe unterbinden und femen. Der Umgang mit den Rohstoffen gehört deshalb zu den grundlegenden Faktoren einer neuen, demokratischen Gesellschaft und damit auch und gerade die Nahrungsmittelproduktion und die Rohstoffgewinnung für weiterverarbeitende Vorhaben.
Ein Permakulturdesign ist immer auf die jeweilige Situation angepasst und die Menschen, die diese Art der Gestaltung lernen, werden auch immer darum besorgt sein, wie man die modernen Kommunikations- und Austauschsysteme so verändern kann, dass sie nicht zur Vernichtung von anderen Lebenssystemen an anderen Orten unserer Erde beitragen. Permakulturdesigns beschäftigen sich immer mit der Genese, der Entwicklung unter Beachtung des grundlegenden Lebensprinzips, dass nichts von Ewigkeit ist und für immer lebt, sondern gerade ganz im Gegenteil, dass das Vergehen als Grundlage neuen Lebens einen Kreislauf darstellt, der, wird er unterbrochen, zur vollständigen Extinktion der Lebensgemeinschaften führen kann und führt. Dieses Wissen kann u.a. dazu beitragen, dass Permakulturdesigns auch in devastierten Lebensumgebungen dazu beitragen können, dass neue Stoffkreisläufe etabliert werden können, immer mit dem Ziel, dass sich nach und nach ausreichende Nutritionskreisläufe ergeben, die den dieses Systeme Etablierenden ein Überleben und einen gesunden Lebenslauf ermöglichen. Schon alleine dadurch können die energiefressenden Erzeugungs- und Transportzyklen der bestehenden letalen Industrieorientiertheiten  nach und nach abgeschafft werden, bzw. auf die allernotwendigsten Maße reduziert werden. Doch genau darum ist es momentan auch so überaus schwierig, diese „neue“ Orientierung umzusetzen, weil noch möchte jeder das neuste Telefon, den modernsten Fernseher und eine anscheinend nie nachlassende Versorgung mit Nahrungsmitteln aus aller Herren Länder, auch wenn diese Ist-Situation nachweislich zur Devastierung von Gesellschaften und Landschaften an anderen Stellen auf unserer Erde beiträgt.
Aus diesem Grund habe ich hier auch nicht die Permakultur an erster Stelle benannt, um eine neue, demokratisch Gesellschaft zu wagen, sondern an fünfter und letzter Stelle. Dennoch ist sie meiner Meinung nach von sehr hoher Bedeutung, denn wie schon Generationen vor uns wussten: Ohne Mampf – kein Kampf!
Das besondere Element des Permakulturdesigns besteht meiner Meinung vor allem darin, dass es leicht zu erlernen ist. Du brauchst nicht Landwirtschaft gerlernt zu haben, auch wenn das u. U. einer gewisse Beschleunigung Deiner persönlichen, permakulturellen Entwicklung zuträglich sein kann. Das einzige, was Du brauchst, ist, den Mut Erde, Pflanzen und Tiere anzufassen und Dich direkt mit Ihnen auseinanderzusetzen, indem Du sie „begreifst“. Du darfst bitte keine Angst davor haben, Dir die Hände schmutzig zu machen, denn ohne wird es nicht gehen, denn Du wirst sehr viel Pflanzen und Bauen und dazu benötigst Du die Zuversicht, dass Deiner Hände Werk Gutes bewirken wird.

Und wenn Du jetzt Lust bekommen hast, Dich mit Permakultur auseinanderzusetzen, dann schau´Dich um. Es gibt einige hundert Menschen, wenn nicht sogar einige tausend, die bereits auf dem Weg sind. Noch sind es oftmals Insellösungen. Doch selbst wenn, so sind es Orte, an denen Menschen versuchen, ein gutes Leben im Einklang mit der sie umgebenden Situation zu schaffen. Und eines kennzeichnet alle PermakulturistInnen – sie freuen sich über jede neue Pflanze, jeden neuen Impuls in ihrem Wirkungskreis. Sie denken darüber nach, wie sie mit den Prinzipien der Permakultur neue Ansiedlungsimpulse generieren können und sie sind ganz sicher eher demokratisch orientiert, was es Dir ermöglichen wird, neue Freunde zu gewinnen.

Seid gesegnet!

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